Samstag, 14. Juli 2012

Ich will 'nen Cowboy als Mann

Ja, ihr lest richtig! Nach zwei Tagen Calgary Stampede bin ich hin und weg von den vielen sehr netten Herren in ihren Cowboy-Outfits. Stellt euch das mal vor: Klein-Liesel lebt mit einem Rodeo-Reiter auf einer Farm in der Prärie... das wäre doch was, oder?

Unser Stampede-Abenteuer begann am Freitag um 8.15h. Zunächst einmal haben wir uns in unsere feinsten Western-Outfits geschmissen: Hut, Bluse und Belt Buckle dürfen hier nämlich nicht fehlen! Dann ging es zur Britannia Plaza, wo ein großes Stampede Breakfast stattfinden sollte. Während der zehn Tage Stampede gibt es solche Breakfasts überall in der Stadt - jeden Tag an einem anderen Ort und ein wenig anders aufgezogen. Als wir ankamen, hatte das Frühstück noch nicht einmal begonnen, aber die Leute standen schon in zwei langen Schlangen vor den Ständen an, weil sie nicht länger auf ihr Essen warten wollten oder konnten. Da unsere Mägen auch schon vor Hunger schrien, haben wir uns natürlich nur allzu gern in die Warteschlange eingereiht. Lange warten mussten wir zum Glück nicht. An der ersten Station bekam jeder einen Teller und einen Tetra-Pack Orangensaft, an Stand Nr. 2 folgten je zwei Pancakes und schließlich die verschiedenen Beläge: Butter, Ahornsirup bzw. Blaubeersirup. Leckerstens! 


Mit unseren voll bepackten Tellern ging es in Richtung der Strohballen, die als Sitzgelegenheit dienten. Dort haben wir es uns direkt vor der Bühne gemütlich gemacht und unser Frühstück genossen. Ghislaine haben wir dort auch kurz getroffen, denn sie hat bei der Sirup-Ausgabe geholfen. Das war allerdings nur ein sehr kurzes Wiedersehen - während unserer restlichen Zeit hier werden wir sie und Jan bestimmt noch das ein oder andere Mal sehen und dann auch mehr als bloß "Hey, how are you?" inklusive der passenden Antwort dazu austauschen. Ach, es gab dort so vieles zu sehen... ein paar Kinder haben vor der Bühne ihre besten Dancemoves ausgepackt, eine ältere Dame hat zusammen mit ihrem kleinen Hund das Tanzbein geschwungen, die Calgary Stetson Showband hat ihre besten Lieder und feinsten Tricks aus dem Hut (!) gezaubert und die Stampede Queen hat zusammen mit ihren beiden Prinzessinnen vorbeigeschaut. Wie ihr seht, bewegen wir uns wieder einmal nur in den höchsten Kreisen. Für mich persönlich war der Besuch dieses Frühstücks aber auch ein Erfolg in ganz anderer Hinsicht, denn dort habe ich den Cowboy meiner Träume entdeckt. Der war zwar offensichtlich verheiratet und mit seinen beiden kleinen Kindern auf dieser Veranstaltung, aber das soll ja kein Hindernis sein. Ich will euch den Augenschmaus natürlich nicht vorenthalten. Meine Spione haben wieder einmal sehr gute Arbeit geleistet und ganz unauffällig ein kleines Erinnerungsfoto geschossen:


Okay, er hätte natürlich auch kurz einmal das schöne Köpfchen heben können, aber ihr könnt mir glauben, dass Mr. Cowboy einer der Höhepunkte unseres ersten Stampedes war. Und jetzt stellt euch einmal vor, ihr steigt aus der Straßenbahn aus und seht vor euch ein Meer aus Cowboyhüten, Stiefeln, Jeans- und Karohemden. Genau so geht es nämlich beim Stampede zu. Calgary und all seine Besucher werfen sich ins Western-Outfit und feiern anderthalb Wochen lang die Western-Tradition der Stadt. Gestern sind wir zunächst ein wenig mit Claire und Martin durch den Stampede Park gelaufen. Mittags haben wir uns dort die Show Tails angesehen. Leider war es in der Halle so kalt, dass wir am Ende praktisch schockgefroren waren. Die Show an sich war eigentlich ganz gut - wenn auch ganz anders als eigentlich erwartet. Ich fand natürlich die Auftritte der Indianer total toll. Unter anderem wurde ein Hoop Dance aufgeführt. Schaut es euch an!


Nach der Pferdeshow hat es Juli und mich ins Indian Village gezogen, auf das ich mich schon wie ein Schneekönig gefreut hatte. Mega spannend war es dort letztendlich leider nicht. Im Grunde stehen ca. 30 Tipis in einem großen Kreis - manche davon kann man besichtigen. Gestern waren allerdings die meisten Zelte geschlossen. Wir hatten Glück und haben noch das Ende einer Tanzaufführung mitbekommen, die total interessant war. Nachdem ich noch eine Replik der Krone der Indian Princess geschenkt bekommen hatte, war ich für den Rest des Tages sowohl als Cowgirl als auch Indianerin unterwegs. Und so ging es weiter zur nächsten Station: Auf in die Western Oasis! Dort haben wir uns u.a. einige wirklich beeindruckende Fotos angesehen und einen kleinen Streifzug durch die 100-jährige Geschichte des Stampede unternommen.

Um 16h hieß es schließlich "Off to the airport"! Schließlich mussten wir ja Jule abholen und dann wieder zurück zum Stampede Park, weil wir Tickets für die Chuckwagon Races und die Grandstand Show mit Paul Brandt und den Young Canadians hatten. Am Flughafen angekommen gab es direkt eine gute Nachricht: Jules Flug sollte 20 Minuten früher landen! Super! Wir sollten also keine Probleme haben, alles rechtzeitig zu schaffen und nichts zu verpassen. Auf kanadischem Boden gelandet, war das Super-Sommerwetter wohl die erste Überraschung für Jule. Wegen des praktisch nicht vorhandenen Sommers in Deutschland kam sie eingepackt in eine dicke Jacke hier an. Hier wurde sie von strahlend blauem Himmel und 29°C erwartet. Die Chance, zur Ruhe zu kommen, haben wir ihr gar nicht erst gelassen. Vom Flughafen aus ging es sofort zurück zu den Stampede Grounds. Nach einer Schnelleinweisung in den Stampede und die verschiedenen Dinge, die es dort zu sehen und erleben gibt, habe ich Jule zu Claire und Juli geführt, die schon im Grandstand auf uns gewartet hatten. Kaum angekommen, ging es auch schon los. Zuerst standen neun Chuckwagon Races auf dem Programm. Am Anfang war das ja noch ganz spannend, aber dann wurden wir doch von der Müdigkeit überwältigt. Da fielen die Augen schonmal zu, aber wirklich verpasst hatte man dann auch nichts. Nach gefühlten 10 Stunden begann dann die eigentliche Grandstand Show. Zu Beginn haben die Kinder von den Young Canadians gesungen, getanzt und sämtliche möglichen und unmöglichen Akrobatikkunststückchen vorgeführt. Und dann kam endlich der Höhepunkt der Show: Paul Brandt! Ich glaube, meine Geduld wurde selten so auf die Probe gestellt... die ganze Show war echt toll, aber er selbst hätte doch ein wenig länger auf der Bühne stehen können. Sei's drum! Es war ne tolle Sache! Besonders das Feuerwerk am Ende der Show war atemberaubend! 





Insgesamt war Tag 1 beim 100. Calgary Stampede ein voller Erfolg. Wir waren doch tatsächlich 17h lang im Sinne der "Greatest Outdoor Show on Earth" unterwegs! Genauer gesagt, waren wir erst nach 1h morgens wieder zu Hause, nachdem wir uns nach dem Ende der Grandstand Show auch noch durch ein Meer von Cowboys und -girls in der C-Train und Downtown gekämpft hatten. Im Häuschen Nr. 124 sind wir dann auch ziemlich schnell in unsere gemütlichen Bettchen gefallen und ins Reich der Träume entschwunden. Schließlich mussten wir für die zweite Auflage unseres Stampede-Debuts wieder fit sein!

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