Donnerstag, 9. August 2012

Langes Wochenende

Unsere letzten Tage fielen passenderweise auf ein langes Wochenende. Konkrete Pläne hatten wir eigentlich nicht geschmiedet, aber als Cris vorschlug, dass wir alle zusammen zum Sylvan Lake fahren könnten, stimmten wir natürlich nur allzu gerne zu. Claire und Martin hatten außerdem noch die Idee, bereits Samstag loszufahren und die Nacht auf Sonntag in ihrem Trailer in Gleniffer zu verbringen. So bot sich uns die Gelegenheit, auch diesen Ort noch einmal im Sommer zu sehen, denn als die beiden zuletzt dort waren, befanden wir uns noch mitten im Jasper National Park. So packten wir alles mögliche in die beiden Minis bis wir keine freie Ecke mehr finden konnten. Natürlich haben Juli und ich wieder einmal viel zu viel in unsere Taschen gepackt. Schätzungsweise hätten wir mit unserem Vorrat an frischer Kleidung wohl fast eine Woche überstehen können... Bevor es dann endlich losgehen konnte, mussten wir unseren Mini noch einmal volltanken und Claire und Martin wollten die beiden Hunde noch kurz Gassi führen. Darum hatten wir vereinbart, dass wir uns einfach an der Heritage C-Train-Station treffen, um dann von dort aus gemeinsam weiterzufahren. Die Wartezeit haben wir sinnvoll genutzt und ein kleines Filmchen gedreht - gut, der Sound hätte ein wenig besser sein können, aber was solls. Wir wollen euch doch immer gut unterhalten und sorgen so bestimmt für den ein oder anderen Lacher:


In Gleniffer hat es uns erst einmal an den Pool verschlagen, von dem die Whites so sehr geschwärmt hatten. Allerdings erwartete uns dort nur ein winziges Becken, das auf allen Seiten von Menschen umgeben war, denen wir uns nicht unbedingt im Badedress zeigen wollten. Also haben wir uns daran gemacht, einen Weg zu finden, der uns direkt zum Gleniffer Lake bringt und den haben wir auch tatsächlich gefunden, nachdem wir erst einmal durch die komplette Parkanlage gelaufen waren. Im Sand aalten sich ein paar Sonnenanbeter, die Bonzenkinder fuhren ihre Motorboote auf dem See spazieren und ein wenig weiter entfernt feierten ein paar Leute ihre eigene kleine Strandparty - und wir waren wieder einmal mittendrin. Doch weil uns der Magen vor lauter Hunger beinahe schon auf den Füßen hing, entschieden wir uns dazu, zum Trailer zurückzukehren. Weil Claire beim Spaziergang mit den Hunden böse umgeknickt war, konnte sie mittlerweile kaum noch gehen und so mussten wir erst einmal ein wenig warten bis das Abendessen zubereitet werden konnte. Zu allem Überflüss hatte sie auch noch ihr Nachthemd vergessen. Als Martin dies erfuhr, konnte er sich sein schelmisches Grinsen kaum verkneifen. Später stellte sich jedoch heraus, dass er selbst sogar zwei dabei hatte und so musste niemand im Adams- bzw. Evakostüm schlafen (was uns sehr recht war!). Die Wartezeit bis zum Dinner führte schließlich dazu, dass Julia, Claire und Martin langsam aber sicher ins Reich der Träume entschwanden und ich weiterhin hellwach mein Dasein auf der Terrasse fristete. Unglücklicherweise sind die beiden ältesten Mitglieder dieser Schlafmützen mit sehr lauten Schnarchorganen ausgestattet, sodass ich mir schnell so vorkam als ob ich mich in einem Sägewerk befände. Martin fragte später sogar, ob er denn geschnarcht habe und Claire verneinte dies. Juli hat ihm aber mutig die Wahrheit gesagt und daraufhin nur ein "Oh, thank you!" als Antwort erhalten. Nachdem wir Claire beim Kochen geholfen und leckerstens gegessen hatten, sind wir mit Martin und den Hunden noch einmal zum Strand gegangen, wo wir schließlich eine riesige Gewitterwolke sahen, in der es blitzte, was das Zeug hielt. Über Gleniffer erstreckte sich weiterhin ein wolkenloser blauer Himmel, zu dem der graue Donnerball nicht so recht passen wollte. Aber seht selbst:


Der Anblick war sehr faszinierend und je dunkler es wurde, umso mehr gab es zu sehen. Da ich mein Wetterwissen mit Filmen à la Twister aufgebaut habe, dachte ich natürlich sofort wieder ans Schlimmste: einen Tornado! Ich sollte dazu sagen, dass während der letzten Woche täglich Tornado Watches und -warnungen ausgegeben wurden und nur kurz zuvor hatte ein Wirbelsturm im nahe gelegenen Olds eine komplette Farm dem Erdboden gleichgemacht. So gerne ich auch einmal einen Tornado jagen würde - an diesem Abend in Gleniffer hätte es nicht ganz so gut in meinen Terminkalender gepasst... im Endeffekt handelte es sich bei den Wolken also "nur" um ein heftiges Gewitter, das in den betroffenen Orten aber leider massive Schäden verursacht hat. Das Blitz-Schauspiel wollten wir uns dennoch nicht entgehen lassen. Nach einer gewissen Zeit wurde es uns allerdings etwas kalt um die von der Sonne geröteten Nasen und so stiegen wir wieder in den Trailer, um uns warm einzupacken und dann schnell wieder auf die Terrasse zu verschwinden. Diese Rechnung hatten wir allerdings ohne Claire und Martin gemacht, denn sobald wir die Türe hinter uns geschlossen hatten, wurden sie ganz hektisch: erst wurde unser Bett ausgeklappt und bezogen, sämtliches dreckiges Geschirr in das Küchenabteil geräumt usw. usf. Als ich dann fragte, wie man die Haupttüre verschließe, war unsere Hoffnung auf eine Fortsetzung unserer Wetterbeobachtungen endgültig gestorben, denn Claire sagte daraufhin nur, dass sie diese jetzt verschließen würde, da wir ja alle schlafen gingen. Tja, was blieb uns anderes übrig als zu Bett zu gehen?! Aber anstatt sofort zu schlafen, haben wir noch ein paar lustige Bilder gemacht, die ich euch lieber nicht alle zeige, denn während dieser kleinen Session haben wir wieder einmal feststellen müssen, wie bekloppt wir doch aussehen können, ohne viel dafür tun zu müssen. Der Anblick dieser Bilder hat natürlich zu schallendem Gelächter geführt. Wir können wirklich nicht behaupten, keinen Spaß gehabt zu haben!






Nach einem kurzen Zwischenstopp am Dickson Dam kamen wir Sonntag Mittag am Sylvan Lake an, wo wir uns ja mit Cris, Lisa, Louise und Nina treffen wollten. Doch, oh Schreck, als wir in dem kleinen Örtchen ankamen, mussten wir schnell feststellen, dass wir nicht die Einzigen waren, die sich überlegt hatten, einen schönen Tag am Wasser zu verbringen. Sämtliche Ufer des Sees waren von Menschenmassen nur so überfüllt und wir wussten nicht, wo und wie wir die anderen finden sollten. Außerdem befanden wir uns ganz am Ende einer Blechlawine, die sich äußerst lang- und mühsam in Richtung freier Parkplätze schlängelte. Es dauerte also ein Weilchen bis wir überhaupt erst einmal so etwas wie das Zentrum dieses Ortes fanden. Zu unserem Glück wartete Cris bereits am Straßenrand auf uns, sodass wir wenigstens schonmal wussten, wohin es später gehen sollte. Die freien Parkplätze, die wir schließlich für die Minis fanden, lagen allerdings ca. 12 Blocks von "unserem" Strandabschnitt entfernt. Da Claire wegen ihres Fußes bereits vorher ausgestiegen war und sich schon zu den anderen gesellt hatte, war es unsere Aufgabe, zusammen mit Martin die Klappstühle, Rucksäcke, Kühltaschen, Handtücher etc. zu transportieren. Da Quarry und Petra ja auch dabei waren, mussten wir uns natürlich auch um die beiden kümmern. Auf dem Weg zum Strand wurde ich leider gleich auf doppelte Weise vom Pech verfolgt. Zunächst waren meine Füße nach fast einer Woche in Flip Flops total platt gelaufen und ich konnte mich nur im Gänsemarsch fortbewegen. So musste ich immer ganz genau aufpassen, um die beiden anderen nicht aus den Augen zu verlieren. Zum anderen hatte ich den Transport von Claires Kühltasche übernommen, in der sich unter anderem auch die von uns hergestellte Limonade befand. Das Limogefäß schien allerdings irgendwo ein Leck zu haben, denn als ich endlich am Ziel ankam, befand sich mehr Limo auf meinem T-Shirt als in der Kanne. Es muss sogar richtig viel gewesen sein, denn sogar die Waschmaschine roch nach der Limonade, nachdem ich das Shirt wieder herausgenommen hatte... aber zurück zum Sylvan Lake. Natürlich hatten wir uns schon darauf gefreut, ein letztes Mal faul in der Sonne zu liegen und im Wasser zu planschen und das haben wir auch getan. Nur hat die Sonne nicht ganz so lang mitgespielt und so lagen wir schon nach kurzer Zeit konstant im Schatten. Dies veranlasste uns dazu, das Auftragen der Sonnencreme einmal auszulassen. Das rächte sich allerdings schnell, denn schon nach wenigen Stunden sahen wir nicht nur aus wie zwei kleine Tomaten, sondern wir fühlten uns auch so als ob wir 40 Grad Fieber gehabt hätten. Das war uns sicher eine Lehre! Leider durften die Hunde nicht auf die Liegewiese, also blieben Claire und Martin die ganze Zeit über mit ihnen auf einer Parkbank oberhalb der Wiese sitzen. Dementsprechend konnten sie den Strandbesuch nicht wirklich genießen. Martin hatte uns schon vorher wissen lassen, dass er solche Ausflüge eh nicht mag und als wir aus dem Wasser kamen, fanden wir ihn schlafend auf unseren Handtüchern. Ich glaube, es gibt nicht einen Ort, an dem er nicht schlafen kann. Letztendlich sind die beiden dann auch früher nach Hause gefahren. Juli und ich blieben noch, weil wir mit den anderen noch etwas essen gehen wollten. Während Cris, Lisa und Nina sämtliche Strandutensilien zum Auto brachten, blieb die liebe kleine Louise bei uns und wir konnten beobachten, wie es über dem See dunkler und dunkler wurde. Nun ja, wir hatten bereits im Radio von der Unwetterwarnung gehört, aber das geschah nun doch alles ziemlich schnell. Ihr könnt euch also vorstellen, dass wir so schnell wie möglich in einem Restaurant sitzen wollten, um dem Regen noch entgehen zu können. Die "Restaurants" in Sylvan Lake waren allerdings nicht wirklich nach unserem Geschmack, aber Cris und Lisa hatten die rettende Idee: Jack Astor's in Calgary. Dort wollten wir uns zum Abendessen treffen. Also trennten sich unsere Wege vorerst noch einmal. Juli und ich machten uns auf den Weg zum Mini und schon nach wenigen Metern fing es an, wie aus Eimern zu schütten. Um wenigstens ein bisschen trocken zu bleiben, haben wir uns schließlich unsere Handtücher um den Kopf geschlungen - bestimmt ein toller Anblick! Leider war der Weg bis zum Auto sehr weit - so weit sogar, dass es uns schon komisch vorkam, wie lange wir brauchten bis wir es endlich erreicht hatten. Wir hatten sogar schon den Verdacht, in der falschen Straße gelandet zu sein, aber unser Minichen hatte sich bloß hinter einem Wohnmobil versteckt gehalten. Puh, Glück gehabt! Das war auch unser Gedanke als wir die Gewitterzelle in ihrem vollen Ausmaß sahen, während wir uns schon wieder auf dem Highway in Richtung Calgary befanden. Denn diese sah wirklich gefährlich wie ein Tornado aus. Uns ist aber nichts passiert und wir kamen sicher im immer noch heißen und trockenen Calgary an. Zusammen mit Cris, Lisa, Louise und Nina verbrachten wir einen tollen Abend im Jack Astor's. Die Zeit ging natürlich wieder einmal viel zu schnell um. Das war an diesem Abend besonders bitter, denn wir mussten uns schon von den vieren verabschieden, was gar nicht so einfach war, sodass auch ein paar Tränchen vergossen wurden. Wir haben uns aber versprochen, dass wir uns auf jeden Fall wiedersehen werden - sei es in Kanada, Brasilien oder Deutschland.






Am Montag wurde in Kanada der Heritage Day gefeiert. Allzu viel scheinen sich die Kanadier aus solchen Feiertagen allerdings nicht zu machen, denn sämtliche Malls hatten ihre Tore geöffnet (wenn auch nicht ganz so lang wie sonst). Das spielte uns in die Karten, denn ich hatte ein Treffen mit Jenn ausgemacht, die ich bisher nur über Facebook kannte. Dort hatten wir uns über den Eisschnelllauf gefunden - Jenn steht den kanadischen Athleten  dieser Disziplin recht nah und hat mich immer mit den heißesten News versorgt. Nun war es also endlich an der Zeit, dass wir uns auch im echten Leben einmal begegnen sollten und Juli war auch mit von der Partie. Zwar haben wir nur ein Käffchen getrunken, aber wir hatten unseren Spaß. Zu guter Letzt musste natürlich noch ein Erinnerungsfoto gemacht werden. Nach einem kurzen Besuch bei Canada Post haben Juli und ich uns noch ein Marble Slab-Eis gegönnt. Wir konnten einfach nicht nach Hause fliegen, ohne vorher wenigstens einmal dort gegessen zu haben! 





Nachmittags begann dann schon das Abschiedsprogramm, welches sich Claire und Martin für uns überlegt hatten: Erst ins Kino (The Hunger Games - ich fand es schrecklich) und danach zu Oscar's. Die beiden dachten wohl, dass sie uns in ein uns völlig unbekanntes Etablissement geführt hätten, aber nachdem Juli sie daran erinnert hatte, dass wir ihnen damals sogar einen Gutschein für dieses Restaurant geschenkt hatten, fiel ihnen doch wieder ein, dass wir dort bereits waren. Zurück in der Brabourne Road war dann die Zeit gekommen, dass wir unsere Abschiedsgeschenke überreichten. Dazu hatten wir uns ganz was feines ausgedacht. Zunächst fragten wir Claire, wieviel wir ihnen denn nun für die Wohnung schuldeten. Als sie daraufhin erwiderte, wir seien ihnen nichts schuldig, weil das schließlich unser Urlaub gewesen sei, war unsere Zeit gekommen. Mit den Worten "We thought that you might say something like this" verabschiedeten wir uns kurz in unser Schlafzimmer, um die Goodies zu holen. Doch während meines Versuches, genauso schnell und fluffig wie Julia ins Wohnzimmer zurückzukehren, machte sich Martins Geschenk in meinen Händen selbstständig und fast hätte unser schöner blauer Teppich eine Ladung dunkelroter Steaksoße abbekommen. Ich konnte das Schlimmste allerdings noch einmal verhindern und alles wieder an seinen rechten Platz setzen. Leider sorgte dieser Zwischenfall dafür, dass Martin immer noch auf seine Geschenke wartete, während Claire schon voll und ganz mit dem Auspacken beschäftigt war. Auch Juli hatte nicht mitbekommen, dass ich zurück geblieben war und ihre kleine Rede bereits vorgetragen. Nun ja, so mussten wir alle herzlich lachen als ich dann auch endlich mit den Geschenken erschien und das behält man gerne in Erinnerung. Natürlich haben sich die beiden sehr gefreut, aber leider rückte der endgültige Abschied dadurch auch immer näher und so wurden dann doch noch Tränen vergossen. Aber wisst ihr, womit wir uns nachher ablenken konnten? Mit Kofferpacken. Das hatten wir nämlich - einen Tag vor der Abreise - immer noch nicht in Angriff genommen. So packten und räumten wir all unser Zeug wieder aus den Schränken in unsere Taschen und natürlich hatten wir unseren Blick immer auch auf dem Gewicht der Koffer. Eine saftige Strafe wegen Übergewichtes hätte uns noch gefehlt! Auch Sheila und Peter kamen noch kurz vorbei, um das Auto mit dem großen Kofferraum abzugeben. Im Mini hätten wir das ganze Gepäck wohl nur schwer verstauen können. So konnten wir ihnen ihr "Impossible Penguin Puzzle" zurückgeben (welches wir doch nicht mehr lösen konnten) und uns von ihnen verabschieden. Danach ging es zurück an die Kofferfront, wo wir sekündlich aufs Neue verzweifelten, weil wir einfach nicht wussten, wie unser ganzes Zeug in unsere Koffer, Rucksäcke und Taschen passen sollte. Es hat am Ende doch noch alles geklappt, aber dazu später mehr...

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