Freunde der Nacht! Es ist schon spät, aber ich muss hier endlich einmal alles auf den neuesten Stand bringen. Da es bei Julia nicht anders aussieht, legen wir heute eben einmal eine Nachtschicht ein, denn übers Wochenende werden wir mit Claire und Martin nach Gleniffer und zum Sylvan Lake fahren und dort wollen wir uns nicht mit unseren Blogs beschäftigen müssen. Nun also zu den Geschehnissen der letzten Tage:
Dienstag, 31. Juli:
Sam hatte zunächst vorgeschlagen, mit uns zum Crowsnest Pass ganz unten im Süden Albertas zu fahren. Ehrlich gesagt, hatten wir darauf nicht so große Lust, denn das hätte wieder mindestens acht Stunden Autofahrt bedeutet. Daraufhin hatte Sam gleich eine viel bessere Idee: In der Nähe von Canmore, in Exshaw, befindet sich ein alter Damm, der seit Jahren nicht mehr gewartet wird und dementsprechend vor sich hin rottet. Dorthin hat er uns zunächst gelotst, denn es war unser Mini, der uns ans Ziel gebracht hat. Zu Sams Glück hatten wir während der Hinfahrt das Dach offen. Bei seiner Größe hat er nämlich ein kleines Problem - er muss sich in den meisten Autos ducken, um überhaupt hinein zu passen und nicht dauernd mit dem Kopf gegen die Decke zu stoßen. So fuhren wir also den alten Trans Canada-Highway 1A entlang bis Exshaw. Dort mussten wir erst einmal einen geeigneten Parkplatz finden und wohin es dann gehen sollte, war auch nicht genau klar. Sam war selbst nämlich auch noch nie dort gewesen und hatte die Daten bloß über Google Maps o.ä. verfügbar. Man kann also sagen, dass wir eine kleine Schnitzeljagd unternommen haben. Und wie sollte es anders sein - wir haben uns natürlich sofort zu Beginn für die falsche Route entschieden. Eigentlich befanden wir uns auch nur auf der falschen Seite des Flusses. Dessen Überquerung stellte das eigentliche Problem dar, denn wir konnten ihn nirgends überqueren, sondern mussten durchs Wasser waten. Bei den heißen Temperaturen tat diese Erfrischung natürlich gut, aber ein angenehmes Gefühl wollte sich in unseren Schuhen erst einmal nicht mehr einstellen. Schon nach ein paar Minuten erreichten wir schließlich den Damm. Mutig bestiegen wir diesen, um direkt neben dem Wasserfall ein paar Beweisfotos zu schießen, damit wir euch auch zeigen können, was wir hier alles unternehmen. Das Foto, das mich zeigt, befindet sich leider auf Sams Kamera, also müssen wir darauf noch ein wenig warten (Update: mittlerweile befindet es sich in diesem Blog). Nach dem Ausflug ans Wasser haben wir uns erst noch auf den Weg nach Canmore gemacht, um einen kleinen Snack in einem Laden zu uns zu nehmen, in dem nur Bagels verkauft werden - dies aber in jeglichen Variationen. Danach wollten wir noch Höhlen sehen, die während des Kalten Krieges in einen Berg nahe Canmore gebohrt wurden, um sie im schlimmsten Fall als Archiv für wichtige Staatsunterlagen nutzen zu können. Auch hier hatte Sam wieder nur die Google-Daten als Orientierungspunkt und prompt sind wir erst einmal wieder an der falschen Stelle gelandet. Wir mussten den Mini im Graben abstellen - nur, um dann festzustellen, dass dort anscheinend ein Hirsch o.ä. von einem anderen Tier zerfleischt worden ist. Die Knochen liegen nun feinsäuberlich abgenagt im Gras... das war uns etwas unheimlich und außerdem gab es auch keinen Weg, der auch nur irgendwie den Berg hinaufführte, also sprangen wir erstmal wieder ins Auto und fuhren noch ein wenig weiter bis wir endlich die richtige Stelle erreichten. Die Höhlen zu sehen war zwar ganz interessant, aber vom Hocker gehauen hat es mich auch nicht wirklich. Es war aber trotzdem toll, es einfach erlebt zu haben. Besonders mit dem Wetter hatten wir wieder unverschämtes Glück, denn über uns schien die ganze Zeit über die Sonne vom blauen Himmel herab. Auf dem Weg zurück nach Calgary wurde es uns schon ein wenig mulmig, denn plötzlich wurde es immer dunkler über uns. Kurz vor Braeside kamen wir dann in ein richtig heftiges Unwetter, das hier wohl schon seit Stunden tobte. Regen, Hagel, Überschwemmung, Blitz und Donner - das volle Programm!
Mittwoch, 1. August:
Das Gewitter vom Vorabend hatte sich zum Glück verzogen und schon morgens erwarteten uns wieder feinster Sonnenschein und hochsommerliche Temperaturen. Da wir keine konkreten Pläne hatten, sind wir in die Southcentre Mall gefahren, um unserer Lieblingsbeschäftigung - Shoppen - nachzugehen. Endlich haben wir eine Paul Brandt-CD ergattern können. Nach beinahe vier Wochen unendlicher Suche in sämtlichen HMVs unserer näheren Umgebung wurde das ja auch endlich mal Zeit. Eigentlich hatten wir uns auch vorgenommen, endlich wieder einmal unsere Bustickets zu benutzen. Aber nachdem wir erstmal im Mini saßen, hat er uns einfach bis vor die Türen der Mall gefahren. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte.... Nachmittags sind wir noch einmal mit Claire, Martin und den Hunden am Sandy Beach und im Riverside Park spazieren gegangen. Diesmal waren auch Barb sowie Carmen und Viggo, der Hund ihres Freundes, mit von der Partie. Da Juli und ich versprochen hatten, an diesem Abend für Claire und Martin zu kochen, hätte dieser Walk gerne auch ein bisschen kürzer dauern können, denn das Abendessen war erst kurz vor 20h fertig. Juli hat ein bewährtes Rezept von daheim preisgegeben und so standen wir zwei in der Küche und haben geschnibbelt, gekocht, gebraten usw. usf. Danach waren wir alle mehr als satt, denn kleine Portionen kommen bei uns nicht in die Tüte!
Donnerstag, 2. August:
Okay, ihr werdet wahrscheinlich denken, wir seien verrückt, aber gestern waren wir schon wieder im Chinook Centre. Das ließ sich aber auch gar nicht vermeiden, denn wir brauchten immer noch ein Abschiedsgeschenk für Martin. Außerdem hatte es draußen plötzlich nur noch 14 Grad und es regnete die ganze Zeit über. Nach beinahe vier Wochen endlosen Hochsommers ist das schon eine Umstellung... Ich kann euch aber beruhigen: wir sind fündig geworden und müssen jetzt nichts mehr besorgen, es sei denn, wir wollen es unbedingt. Außerdem hatten wir während unseres Urlaubes noch nicht die Gelegenheit, eine Cinnzeo Cinnaroll oder ein Marble Slap-Super-Softeis zu genießen. Da wir den Vielfraß in uns nicht raushängen lassen und beides auf einmal zu uns nehmen wollten, haben wir uns dazu entschlossen, nur zwei Cinnarolls einzupacken und als Dessert zu verspeisen. Schließlich wollten die Reste unserer Fettucini-Pfanne ja auch noch gegessen werden. Unser Nachmittag bestand darin, Kuchenteige aufzutauen und zu backen und diese mit verschiedensten Leckerheiten zu belegen. Für den Abend waren wir nämlich bei Sheila und Peter eingeladen. Die beiden hatten auch wieder ganz schön was aufgetischt. Es war sogar so gut und so viel, dass ich noch nicht einmal meinen ersten Teller ganz geschafft habe. Das Dessert musste ich ja auch noch irgendwo unterbekommen... Peter bot uns auch andauernd die verschiedensten Gerichte an und mir wurde es immer peinlicher, dass ich bei so vielen Dingen ablehnen musste, weil ich es nicht mochte. Aber das, was ich nicht mag, nimmt Julia gerne - was jetzt nicht heißen soll, dass sie alles pausenlos in sich hineinschaufelt. Nun ja, ich glaube, sie haben es mir nicht übel genommen ;-) Vor dem Essen hatten wir unsere Sehfähigkeit bereits mit 3D-Bildern und optischen Täuschungen trainiert. Außerdem hat Peter für Unterhaltung gesorgt, indem er uns lauter lustige Geschichten darüber erzählte, welchen Tieren er hier schon gegenüber stand. So stand er eines Nachts im Garten neben dem Haus, um die Fensterläden zu schließen und plötzlich hörte er ein Rascheln im Gras. Weil ihm das alles ein wenig suspekt erschien, drehte er sich langsam um, um nachzuschauen, was dort wohl auf der Wiese saß. Tja, wenige Sekunden später machte er Bekanntschaft mit einem Stinktier, das zu allem bereit schien und schon in Angriffsstellung auf ihn wartete. Peter sagte, dass er in diesem Moment nur noch gespürt hätte, wie in seinem Bauch plötzlich vor lauter Angst alles abgesackt sei. Er konnte sich aber retten und befand sich schon wieder im sicheren Haus, bevor das Tierchen seine Stinkbombe zünden konnte. Nach dem Dinner haben wir uns daran gemacht, das "Impossible Penguin Puzzle" zu lösen und wir haben es immer noch nicht geschafft, dieses zu vollenden. Ich glaube zwar nicht, dass es unmöglich ist, aber einfach zu lösen ist es definitiv nicht! Bis Montag Abend sollten wir es aber spätestens geschafft haben, denn dann wollen wir es Sheila und Peter wieder zurückgeben. Leider müssen wir uns dann auch schon von den beiden verabschieden, denn nur einen Tag später heißt es für uns wieder 'Bye, bye, Calgary' und 'Willkommen zu Hause in Deutschland'. Hach, wie schnell die Zeit verflogen ist... kaum zu glauben, dass wir tatsächlich fast schon wieder einen ganzen Monat hier verbracht haben. Natürlich haben wir wieder einmal nicht alles geschafft, das wir uns vorgenommen hatten - aber ist das nicht immer so???


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen