Donnerstag, 9. August 2012

Goodbye, Calgary

Am Dienstag war der Tag des Abschieds endgültig gekommen. Um diesen wenigstens gebührend zu gestalten, haben wir uns morgens auf den Weg zu Second Cup begeben, um dort unser vorerst letztes Frühstück auf kanadischem Boden einzunehmen. Hinter dem Tresen trafen wir auch noch ein letztes Mal auf Doug, der gerade eine neue Angestellte einarbeitete. Ich sags euch, da wurden Erinnerungen wach. Denn auch uns hatte er damals alles Mögliche über die verschiedenen Kaffeesorten erklärt und gezeigt, was man wie mahlen muss... nun ja, leider ist unsere Einarbeitungsphase mittlerweile auch schon drei Jahre her. So manches wissen wir aber noch! Insgeheim hatten wir darauf gehofft, Marv zu begegnen, der damals zu unseren absoluten Lieblingskunden gehört hatte. Doug erzählte uns später, dass Marv zurzeit in Holland ist, um dort seine Familie zu besuchen. Schade... es wäre bestimmt ein großer Spaß gewesen, ihn noch einmal wiederzusehen. Bevor Doug wieder ins Büro verschwand, hat er uns noch gesagt, dass wir gerne wiederkommen und auch bei ihm arbeiten könnten und danach hat er uns noch einen Goodbye-Hug gegeben. Auch er wird uns fehlen.

Zuhause in der Brabourne Road gab es für uns nicht mehr viel zu tun, außer die letzten Dinge einzupacken und ein wenig sauber zu machen. Unter anderem haben wir sämtliche Lebensmittel in den Kühlschrank der Whites geräumt, denn wer kümmert sich wohl sonst darum, dass diese auch wirklich gegessen werden? Wir selbst haben uns aber dann doch noch ein Abschiedsbutterbrot gegönnt und den Rest meiner Cinnaroll hatten wir ja auch noch. Den hat Juli sofort in die Mikrowelle geschoben, aber leider konnte der Geschmack nicht mehr überzeugen und so musste sie halt in den Müll wandern.

Die Zeit verging leider wie im Fluge und schon wenig später mussten wir zum Flughafen aufbrechen. Zu allem Überfluss konnte uns Claire noch nicht einmal begleiten, da Aanika zu Besuch war und George aufgrund eines Notfalls nicht dort sein konnte. So mussten wir uns also schon früher von ihr verabschieden und das sogar sehr tränenreich. Selbst die Tiere schienen irgendwie niedergeschlagen zu sein. So fuhren wir dann mit Martin zum Flughafen und mitten in ein riesiges Unwetter hinein. Am Airport angekommen, wunderten wir uns schon darüber, dass wir die einzigen Passagiere an unserem Check-In-Schalter waren. Wir dachten natürlich, dass wir zweieinhalb Stunden vor Abflug bestimmt zu den Ersten gehörten. Aber weit gefehlt! Die etwas unfreundliche Dame am Schalter gab uns zu verstehen, dass der Ansturm schon vorbei und wir quasi fast zu spät dran seien. Dann musste ich auch noch mit Erschrecken feststellen, dass mein Koffer fast ein Kilo zuviel wog. Zum Glück konnte ich noch etwas umräumen, aber erstaunt war ich schon, da die Kofferwaage weniger angezeigt hatte. Aber es ist ja alles nochmal gut gegangen. Dann meinte die Dame auch noch, Julis Rucksack sei zu groß fürs Handgepäck - dasselbe Spiel wie auf dem Hinflug... im Endeffekt hat sie dann doch grünes Licht gegeben und auf einmal war alles kein Problem mehr. Die Verabschiedung von Martin fiel sehr kurz aus. Nach einer festen Umarmung und vielen netten Worten verschwand er ganz schnell, ohne sich noch einmal umzudrehen. Mein kleiner Spion Julia hat aber sehen können, dass er sich ganz verstohlen ein paar Tränchen weggewischt hat. Er mag einfach keine Abschiede. Aber wer mag die schon?! Nach dem Security Check mussten wir noch eine gefühlte Ewigkeit warten, bis das Boarding endlich beginnen konnte. In dieser Zeit wurden wir immer müder und hungriger. Endlich auf unseren Plätzen angekommen, stellten wir mit Erschrecken fest, dass diese Maschine leider nicht so schön und neu war wie die, die uns nach Calgary gebracht hatte. Die Sitze waren leicht unbequem (9 Stunden Flug, ca. 30 Minuten davon halb schlafend verbracht) und es gab nur einen Bildschirm für alle Passagiere dieses Abteils. Die Filme, die dort gezeigt wurden, waren auch noch richtig schlecht, sodass man noch nicht einmal auf das Unterhaltungsprogramm ausweichen konnte bzw. wollte. Noch dazu befand sich gleich neben uns - sowohl rechts als auch links von unserer Sitzreihe - eine recht aufdringliche nervige Familie, die sich über sämtliche Reihen hinweg in feinstem Schweizer Deutsch unterhielt. Die Kinder tobten die ganze Zeit über neben uns hin und her und veranstalteten irgendeinen Blödsinn und die Eltern hatten nichts besseres zu tun als aufzustehen und sich mitten in den Gang zu stellen, um dort ausgedehnt knutschen zu können. Sachen gibts... all dies führte dazu, dass ich mich mit Schlafmaske und Oropax bewaffnen musste, um wenigstens ein bisschen weniger von alledem mitzubekommen. Ihr glaubt gar nicht, wie froh wir waren als wir endlich in Frankfurt ankamen! Bei der Passkontrolle wurden wir von dem äußerst netten Beamten nach einem Miniblick auf unseren Ausweis praktisch einfach so durchgewunken, aber bei der Gepäckausgabe warteten wir dafür umso länger. Danach konnten wir aber endlich wieder Mama und Papa in die Arme nehmen und wir waren wieder zu Hause.

Nach den vergangenen vier Wochen steht fest, dass Calgary und besonders das Haus der Whites tatsächlich zu unserem zweiten Zuhause geworden sind, denn dort fühlten wir uns pudelwohl und herzlich willkommen. Das Abenteuer Solbach-Solbach-Hast ist auch mehr als sehr gut verlaufen und wir können sagen, dass wir alle eine super tolle Zeit hatten, die wir so schnell sicher nicht wieder vergessen werden. Bei allem, was wir unternommen haben, hatten wir sehr viel Spaß und langweilig ist uns definitiv nicht geworden! Wir haben (fast) all diejenigen wiedergesehen, die wir schon damals ins Herz geschlossen hatten, aber auch neue Leute haben wir kennengelernt, die wir jetzt genauso vermissen werden wie all die anderen. Schon jetzt kann ich es wieder kaum erwarten, in einen Flieger Richtung Cowtown zu steigen. Wer weiß, vielleicht verschlägt es mich ja doch noch für eine (viel) längere Zeit dorthin... In der Zwischenzeit kann ich nur sagen: Thank you for a wonderful time! Aber vielleicht sollte ich mich auch "entschuldigen", denn ich habe die arme Juli mal wieder regelmäßig um ihren Schlaf gebracht, weil ich des Nachts sämtliche Träume verbalisiert habe. Ob es nun darum ging, dass etwas "S-s-s-s-s-s-s-s-s-s-sehr lecker!" war oder ob ich die Hunde im Traum rumkommandiert habe - die Themenvielfalt war wieder einmal sehr breit gefächert. Ich habe sogar verschiedene Sprachen im Angebot! Neben Deutsch und Englisch spreche ich anscheinend auch extremst gutes Kauderwelsch. Juli hat mir versichert, dass ich sie nie gestört habe, aber das macht die ganze Sache ja leider nicht besser. Nun hat sie ja erst wieder einmal Ruhe vor mir :-)

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